JOURNAL 
des DJV-NRW
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 JOURNAL 4/13

Thema: Zur Marke werden

 

„Viele Journalisten brauchen 
Nachhilfe in Sachen Eigen-PR“

 

Mike Schnoor war Pressesprecher beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) bis Frühsommer 2013. Nach seiner Jobsuche auch über Social Media leitet er jetzt das Kommunikationsteam der Bremer Firma hmmh, einer Agentur für Digital Commerce & Brand Communication. Bei Twitter: @mikeschnoor, rund 4.000 Follower, Blog: mikeschnoor.com.

 

JOURNAL: Obwohl Sie als Pressesprecher beim BVDW einen Vollzeitjob hatten, haben sie weiterhin fleißig gebloggt und getwittert. Warum?

Mike Schnoor: Ich arbeite in der Kommunikationsbranche und verstehe mich selbst als Minimedium. Ich informiere meine Zielgruppe über die Themen, die mir am Herzen liegen, beispielsweise über Marketing, Social Media und PR-Themen. Damit zeigt ein Kommunikator, dass er diese Themen nicht nur verstanden hat, sondern er stellt eigene Ideen vor und regt Diskussionen an.

JOURNAL: Um einen neuen Job zu finden, haben Sie im Frühjahr in einem Blogeintrag formuliert, was Sie von einem neuen Arbeitgeber erwarten, und was Sie nicht wollen. Wie war die Resonanz?

Schnoor: Der Blogbeitrag wurde 83-mal bei Google+ geteilt, 125-mal bei Facebook und 160-mal bei Twitter. Hinzu kamen viele persönliche Direktnachrichten und E-Mails. In den Tagen danach folgten einige Gespräche. Und als ich bei hmmh zum Vorstellungsgespräch kam, lag unter anderem mein Blogbeitrag ausgedruckt auf dem Tisch.

JOURNAL: Warum sind Sie diesen Weg gegangen, um einen neuen Job zu finden?

Schnoor: Ein Bewerber ist heute kein Bittsteller mehr. Gerade in der Kommunikationsbranche ist es sehr einfach, zu zeigen, was man kann. Und wenn man seinen Job versteht und ein potenzieller Arbeitgeber das weiß, kann man auf Augenhöhe miteinander verhandeln. Wichtig ist aber, vorher seine eigene Personenmarke im Netz aufzubauen und damit für sich selbst Eigen-PR zu machen.

JOURNAL: Journalismus und Public Relations sind zwei unterschiedliche Dinge. Liegt es daran, dass sich Journalisten schwer damit tun, sich selbst als Marke zu begreifen?

Schnoor: Ich halte das für möglich, auch wenn es viele Journalisten gibt, die sich als Marke im Netz gut verkaufen. Viele bräuchten aber Nachhilfe in Sachen PR. Im Internet gibt es genügend Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen, man muss dies nutzen und als Chance verstehen.

JOURNAL:  Wie viel Persönliches muss man veröffentlichen?

Schnoor: Wer mir bei Twitter folgt, kennt nicht nur den Twitternamen meiner Frau, sondern findet schnell zu ihrer Online-Präsenz. Man weiß, dass wir zwei Kinder haben und am Wochenende viel Zeit in der Natur verbringen. Früher hat man nur in der Kantine unter Kollegen über seine Freizeiterlebnisse erzählt, heute macht man das auch im Netz. Na und? Das zeigt nur, dass ich kein introvertierter und gesellschaftlich isolierter Mensch bin, der Tag und Nacht vor dem PC sitzt. Die positive Selbstdarstellung über alle Kanäle erzeugt Sympathie, und die ist wiederum wichtig, um Geschäfte zu machen.

JOURNAL: Wo sind Ihre Grenzen?

Schnoor: Ich würde nie negativ über den Arbeitgeber oder Kunden schreiben, denn auch nach Jahren könnte dies ein zukünftiger Chef lesen – das spräche nicht für mich. Ich äußere aber bewusst als Kunde meine Kritik an Unternehmen oder deren Produkten. Allerdings achte ich darauf, dass diese Kritik immer fair ist und konstruktive Vorschläge beinhaltet.||

Die Fragen stellte Bettina Blaß.

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