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JOURNAL 2/13
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Gelebte Solidarität DJV-NRW schnürt Hilfspaket für die ehemaligen Freien und Festen der Westfälischen Rundschau Was tun, wenn für rund 250 im Lokaljournalismus verankerte Redakteure und Freie von jetzt auf gleich Schluss ist mit Schreiben, Fotografieren und Recherchieren? Neue Arbeitsplätze schaffen und Redaktionen mit ausreichendem Honoraretat herbeizaubern kann der DJV-NRW nicht. Was die Gewerkschaft jedoch bieten kann, ist Solidarität in Form von konkreten Hilfsangeboten. Dafür sprach sich der Gesamtvorstand auf seiner Sitzung Ende Februar einstimmig aus. Ein wesentlicher Teil der extra aufgelegten Angebote sind die themenbezogenen DJV-WR-Stammtische, die direkt Anfang März starteten. DJV-Stammtische: praktische Tipps Taranta Babu. Was sich anhört wie ein verwunschenes Land, war Treffpunkt des ersten Stammtisches mit Bewerbungstipps in Dortmund. 22 Journalistinnen und Journalisten erlebten im interkulturellen Literatur-Ambiente einen Abend nicht nur mit Nutz-, sondern auch Unterhaltungswert. Der erste wichtige Tipp von Referentin Bettina Blaß: Wer Journalist ist, sollte seine Bewerbungsmappe auch journalistisch angehen. Dabei unterstrich die Wirtschafts- und Onlinejournalistin den Flirtfaktor: „Schmieren Sie Ihrem künftigen Arbeitgeber Honig um die Schnute. Der will jemanden haben, der für ihn brennt.“ „Sitzen“ sollte schon die Betreffzeile – sie sei, so Blaß, wie eine Überschrift über einen Artikel, und das Anschreiben selbst nichts anderes als die erste Arbeitsprobe, die man abliefere. Entsprechend lebendig sollte die Sprache sein. Die Referentin riet eindringlich, Prioritäten zu setzen: „Journalisten müssen nicht zumüllen.“ Und auch Hobbys oder Interessen gehörten in eine Bewerbungsmappe: „Das sind wichtige Anknüpfungspunkte in einem Gespräch.“ Letztlich gehe es auch zwischen Arbeitgeber und Bewerber immer um die persönliche Beziehung: Stimmt die Chemie oder stimmt sie nicht? Getrost etwas zugeknöpfter dürfe man hingegen in der Social-Media-Welt auftreten. „Auf Facebook“, so Bettina Blaß, „sollte man nichts posten, was man nicht auch laut auf der Straße rausschreien würde.“ Die Referentin warb jedoch dafür, sich unbedingt mit den Neuen Medien auseinanderzusetzen. „Das ist keine Spinnerei, sondern gerade für Journalisten eine echte Chance, im Internet eine Marke aufzubauen.“ Ihre Marke aufbauen, das müssen die meisten ehemaligen Freien und Festen der WR jetzt tatsächlich. Viele von ihnen haben aber etwas, mit dem sie sehr gut für sich werben können: tiefe Einblicke in eine Region und ihre Protagonisten. Seit Jahren, manchmal sogar Jahrzehnten haben sie dort alle Entwicklungen mitverfolgt. Das ist ein journalistisches Pfund. Wie man es vermarktet und präsentiert, kann man lernen. Für den Auftakt der DJV-Stammtisch-Reihe gab es jedenfalls erst mal Komplimente: Informativ und ausgesprochen hilfreich sei er gewesen. Um Selbstvermarktung geht es auch beim zweiten DJV-Stammtisch in Haus Busch in Hagen (nach Drucklegung des JOURNALs): Timo Stoppacher erklärt, wie man in wenigen Minuten einen Blog aufsetzen kann. Als freier Journalist und Buchautor ist er überzeugt von den Vorteilen einer solchen eigenen Plattform: Auf ihr liefern Journalisten regelmäßig Proben ihrer Arbeit ab und machen zugleich auf die eigene Kompetenz aufmerksam. Weitere Themenabende werden folgen. Nr. 3 ist bereits terminiert: Am 27. März wird Journalist, Coach und Psychotherapeut Ulrich Sollmann Wege aus der WR-Krise aufzeigen. Er will deutlich machen, dass die durch das Ende der Redaktionen entstandene Notsituation kein persönliches Scheitern ist. Darlehn und Rechtsschutz Das Hilfspaket, das der DJV-NRW geschnürt hat, beinhaltet noch mehr. Die ehemaligen Freien der WR, die ohne Kündigungsfristen oder Abfindungen praktisch sofort ohne Einnahmen dastehen, können – wenn sie Mitglied im Verband sind – zinslose Darlehn beantragen. „Das Geld kommt aus dem Soli-Fonds“, erläutert Karlheinz Stannies, Schatzmeister des DJV-NRW, „und soll vor allem dazu dienen, Notzeiten zu überbrücken.“ Wie immer bietet der Berufsverband natürlich Rechtsberatung – seit dem Zuschlagen der WAZ-Axt im Januar am laufenden Band. Aber gerade jetzt stehen die Juristinnen und Juristen des DJV-NRW vor allem auch den Mitgliedern zur Seite, die einen Gang vor Gericht erwägen: Wer als Freier längere Zeit vorwiegend für die WR gearbeitet hat, sollte zum Beispiel prüfen, ob er sich nachträglich als Scheinselbständiger einklagen kann – und sei es auch „nur“, um in den Sozialplan zu rutschen. Vielen Freien könnten auch Nachzahlungen wegen zu geringer Honorare zustehen, wenn der Verlag die seit 2010 geltenden Gemeinsamen Vergütungsregeln nicht eingehalten hat. Auch das Geld müssten sie aber wohl vor Gericht einklagen. Trotz aller Hilfsangebote kommen die Arbeitsplätze natürlich nicht zurück, und auch die Redaktionskolleginnen und -kollegen wird man weiter vermissen. Aber erste eigene Schritte sind gesetzt, vielleicht erste eigene Zukunftsvisionen entstanden. Nach den großen Protestaktionen – den beiden Demonstrationen in Dortmund, den Soli-Seiten im Internet, den Extrablättern zum Erhalt der WR – ist das vielleicht genau das Richtige. || Silke Bender || top || |
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