JOURNAL 

des DJV-NRW

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 JOURNAL 2/12

Medienszene NRW

Große und kleine Wellen

 

Die WDR-Hörfunkreformen in der Diskussion

Welche Kultur meinen wir, wenn wir von Kulturradio sprechen? An welchen Maßstäben soll sich der WDR überhaupt messen, wer darf mitreden und wieviel Hörer sind die akzeptable Untergrenze für eine Radiowelle? Seit die Reformpläne für WDR 3 (siehe Kasten "Programmliche Änderungen bei WDR 3") bekannt wurden, wird über solche Fragen diskutiert wie lange nicht. 

Mit dem Umbau, der zwischenzeitlich von März auf Mai verschoben wurde, will der Sender seine Angebote programmlich an neue Nutzungsgewohnheiten anpassen. Im Mittelpunkt stehe aber die organisatorische Anpassung von Strukturen und Abläufen in der Redaktion, erklärt WDR-Sprecher Uwe-Jens Lindner. Weil WDR 3 nach früheren Reformen zum „tagsüber live sendenden aktuellen Kulturradio“ geworden sei, gibt es künftig u.a. einen zentralen Planungsdesk für die ganze Welle, wie in anderen WDR-Radioprogrammen üblich. Hinzu komme eine zentrale Internet-Redaktion für den kommenden neuen Online-Auftritt von WDR 3. 

In die öffentliche Diskussion erst im Netz und dann zunehmend in den klassischen Medien geriet die Reform durch den offenen Brief von mehr als 70 prominenten Kulturschaffenden im Februar. Seitdem können sie sich auf ihrer Seite www.die-radioretter.de über rasant wachsende Unterstützerzahlen freuen. Stand am 14. März: mehr als 14. 000 Unterschriften.

Gegen den Vorwurf der Entpolitisierung und Verflachung wehrte sich WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz in einer Antwort an die Radioretter und erklärte, WDR 3 solle als musikgeprägtes Kulturradio profiliert und WDR 5 als Wortprogramm ausgebaut werden. 

Rundfunkrat will Gesamtkonzept 

Genau dafür möchte der Rundfunkrat nun ein Gesamtkonzept haben, nachdem er und sein Programmausschuss intensiv über die Vorschläge beraten haben. Dabei sollen auch „die Verknüpfungen bzw. Abgrenzungen beider Wellen sowie die konkreten personellen und finanziellen Auswirkungen“ dargestellt werden. Der Rundfunkrat sieht diese Beratungen und die öffentliche Diskussion als Chance, wie er am 2. März mitteilte. 

Auch bei den WDR-Mitarbeitern wird die Reform diskutiert – mit durchaus unterschiedlichen Positionen. Während manche die Kritik von außen teilen und der Redakteursausschuss eine besorgte 13-seitige Stellungnahme abgab, gibt es auch andere Stimmen im Haus. Nicht jeder ist ein Freund der Kulturwelle mit dem großen Anspruch und den kleinen Hörerzahlen. Ein simples „weiter so“ könnte nach Einschätzung einiger Kollegen auch medienpolitisch unklug sein. 

Auch in der WDR-Freienliste stieg das Mailaufkommen wieder, nicht nur weil die Veränderungen für einige Kolleginnen und Kollegen mit Auftragsverlusten einhergehen. Auch hier wird die inhaltliche Diskussion geführt, welches Kulturradio die Gesellschaft braucht Und auch hier gibt es neben den Kritikern Freie, die zwar nicht pro Quotenfixierung argumentieren, aber auch an drohende Legitimationsprobleme wegen zu geringer Einschaltzahlen erinnern.

Diskussionen auch zu WDR 2

Mindestens genauso lebhaft diskutierte die WDR-Freienliste in den vergangenen Wochen eine andere Reform – die der Regionalnachrichten auf WDR 2 auf ein magaziniges Format. Dabei ging es ebenfalls nicht nur um mögliche Auftragsverluste und den Unmut über die zeitweilige unklare Honorarpraxis, sondern um Fragen des journalistischen Anspruchs. 

Von menschelnden Geschichten statt aktuellen Informationen ist da zu lesen, von „atemberaubenden Wortwitzchen“ und eher unbeholfenen Anmoderationen. Und vom aktuellen Ereignissen in der Region, die nachmittags nicht mehr abgebildet werden können, weil die monothematische Sendung bereits mit einem anderen Thema verplant ist. Frustrierend, wenn der schnelle Hörfunk seinen Vorsprung gegenüber anderen Medien aufgibt. 

Wegen mangelnder Aussichten auf Honorar lohne es sich kaum, Ratssitzungen, Pressekonferenzen, Hintergrundgespräche und ähnliche Termine zu besuchen oder Kontakte zu pflegen, konstatieren Freie auch im Gespräch. Der WDR drohe den Draht in die Regionen zu verlieren, und Lokalpolitiker und andere Akteure vor Ort fühlten sich vom Landessender abgehängt.

Es sei „nicht bekannt, dass sich Politiker oder Vertreter der Wirtschaft darüber beim WDR beschwert hätten“, erklärt WDR-Sprecher Lindner auf die Frage nach der Resonanz zur Reform. Aber ganz still kann es an den Hörertelefonen auch nicht geblieben sein: „Wir glauben, dass die Anrufe bei den Hotlines kein realistisches Bild der Akzeptanz der NRW-Infos wiedergeben. Die Erfahrung zeigt, dass sich eher diejenigen zu Wort melden, die etwas zu kritisieren haben.“ 

Lindner räumt zwar „noch Optimierungsbedarf“ ein, aber „die Präsentatorinnen und Präsentatoren in den NRW-Studios setzen die Vorgaben der Reform sehr gut um“. Der WDR sei „zuversichtlich, dass sich die neuen NRW-Infos etablieren werden“. Die Idee der neuen NRW-Infos sei es, für die Region wichtige und für die WDR-2-Hörerinnen und -Hörer relevante, aktuelle Themen aufzuarbeiten. „Das können auch allgemeine Tagesthemen sein, die für das Sendegebiet eine Bedeutung haben.“ Deshalb erfährt der Hörer in der regionalen Sendestrecke eben auch schon mal, dass man die Atemwege schützen sollte, wenn man bei großer Kälte draußen Sport treibt. 

Aus den Studios meldet der Sender „überwiegend positive“ Resonanz. Vereinzelt habe es Anlaufschwierigkeiten mit der Neuorganisation der Redaktionen gegeben. Es gebe aber viele positive Rückmeldungen „gerade zu den monothematischen Schwerpunktsendungen am Nachmittag. Durch die geänderte Präsentationsart hat sich die Bandbreite an journalistischen Formen deutlich erweitert. Das wird sehr gelobt“, so Lindner.

Als Landessender überzeugen

Für den DJV-NRW bleiben die Hörfunkreformen ein Thema: „Wir sehen ja die Zwänge, unter denen der Sender mit den Sparauflagen der KEF steht“, sagt Geschäftsführerin Dr. Anja Zimmer. Und natürlich müsse der Sender sich – wie alle Medien – veränderten Bedürfnissen seines Publikums anpassen. Das gelte sowohl für WDR 3 mit dem ausgesuchten Publikum wie für die große Welle WDR 2. Aber: „Das Regionale ist die Existenzberechtigung eines Landessenders. Die Information und die Nachrichten spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie sind die Königsdisziplin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.“ 

Corinna Blümel

 

Kasten "Programmliche Änderungen bei WDR 3" 

 

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Kasten: Programmliche Änderungen bei WDR 3

Zu den geplanten Veränderungen gehört die Einstellung der Sendung „Journal“ (vier mal acht Minuten täglich). Die ist aus Sicht des Senders entbehrlich, seit vor einem Jahr O-Ton-Nachrichten bei WDR 3 eingeführt wurden. Das durchgehend live ­moderierte Programm informiere über herausragende Ereignisse, heißt es. Vertiefende Information gebe es dann auf WDR 2 oder WDR 5. Außerdem soll es anstelle der „Journale“ einen Sendeplatz für aktuelle Ereig­nisse am frühen Abend geben. 

Für das Kulturmagazin „Resonanzen“ werden ab Mai keine Beiträge mehr in Auftrag gegeben (vgl. JOURNAL 1/12). Neben einem Live-Gespräch und einem kulturpolitischen Kommentar werden hier künftig Kultur-Beiträge von WDR 3 und WDR 5 wiederholt. Auf aktuelle Ereignisse des Nachmittags werde man aber selbstverständlich mit aktuellen, neu produzierten Beiträgen reagieren, so WDR-Sprecher Uwe-Jens Lindner. Außerdem ist ein neues Kulturmagazin für den Sonntag geplant.

Aufgegeben wird der Sendeplatz für Literatur- und Musikfeature, dort werden künftig Features und Hörspiele wiederholt. Eine echte Sparmaßnahme, wie der WDR-Sprecher einräumt, die zur ­Finanzierung neuer Aufgaben notwendig sei. Die Themen von Literatur- und Musikfeature sollen beim Kulturfeature einfließen, „finden aber auch in den längeren, von Musik und Musikthemen geprägten Sendestrecken am Nachmittag Platz“.

cbl

 

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